Chinesisch aussprechen mit Hilfe von Hanyu-Pinyin

 

Was ist Chinesisch?

Unter dem Begriff „Chinesisch“ versteht man heute das Hochchinesische, die Amtssprache der Republik China (Taiwan) und der Volksrepublik China (Festland China). Auch in Singapur ist Hochchinesisch eine der 4 Amtssprachen.

 

In Taiwan wird Hochchinesisch als Guoyu國語/国语1 (Nationalsprache) bezeichnet. 1955 benannte die Volksrepublik China Guoyu in Putonghua普通話/普通话 (Standardsprache oder Allgemeinsprache) um. In der chinesischen Umgangssprache wird Putonghua gewöhnlich als Hanyu 漢語/汉语, Sprache vom Han-Volk, dem grössten Volk Chinas, verwendet.

 

Die Aussprache des Hochchinesischen ist auf dem Peking/Beijing-Dialekt aufgebaut ohne seine regionalen Sonderheiten, wie z.B. das häufige Anhängen von einem stark retroflexem er (wie im amerikanischem Englisch „her“) an eine Silbe, um meist ein Nomen oder dessen grammatische Verkleinerung zu kennzeichnen.

 

Hanyu Pinyin – Die Lautumschrift

Hochchinesisch ist keine phonetische Sprache. Im Laufe der chinesischen Geschichte wurden Methoden verwendet, um die Aussprache der Schriftzeichen wiederzugeben. 1957 wurde die Hanyu-Pinyin (漢語拼音/汉语拼音), kurz Pinyin (拼音), in der Volksrepublik China als die offizielle chinesische Lautumschrift des Hochchinesischen eingeführt und ist mittlerweile international anerkannt. Pinyin bleibt allerdings ein unentbehrliches lautliches Hilfsmittel für Hochchinesisch und kann die chinesischen Schriftzeichen keineswegs ersetzen.

 

Pinyin benutzt die normalen lateinischen Buchstaben, um Chinesisch phonetisch wiederzugeben. Doch die Buchstabe-Laut-Zuordnung in Pinyin ist nicht identisch mit der im Deutschen. Im Folgenden werden die Unterschiede zu Deutsch und Spezifika von Pinyin vorgestellt:

 

Laute

Konsonanten (Reihenfolge nach Lauteinheiten)

Buchstabe

Lautbeschreibung

j

wie in Englisch jeep, Lippen nicht gerundet

q

wie ch in Englisch cheese, Lippen nicht gerundet

x

wie sch in Deutsch schieben, Lippen nicht gerundet

z

wie ds in Englisch words

c

wie z in Deutsch Zürich

s

wie ss in Deutsch wissen

zh

wie G in Englisch German, mit zurückgebogener Zungenspitze, Lippen nicht gerundet

ch

wie in Englisch church, mit zurückgebogener Zungenspitze, Lippen nicht gerundet

sh

ähnlich wie sch in Deutsch, aber mit zurückgebogener Zungenspitze, Lippen nicht gerundet

r

etwa wie j in Fränzösisch bonjour, aber mit stärker zurückgebogener Zungenspitze, Lippen nicht gerundet

w

wie in Englisch way

y

wie j in Deutsch ja, aber yu = ü

 

Vokale und Diphthonge

Buchstabe

Lautbeschreibung

e

wie in Deutsch lachen, oder wie ö mit ungerundeten Lippen

er

wie im amerikanischen Englisch her

ai

wie ei in Deutsch dein

ei

wie ee in Deutsch schnee

ao

wie der deutsche Diphthong au

ou

wie o in Deutsch Lohn

 

Gleitlaute2

Buchstabe

Lautbeschreibung

i

als Anlaut und als eine Silbe „yi“ und als Anlaut in Kombination „y“ geschrieben, als

Mittellaut und Auslaut „i“ geschrieben, gesprochen wie der deutsche Vokal i

u

als Anlaut und als eine Silbe „wu“ und als Anlaut in Kombination „w“ geschrieben, als

Mittellaut und Auslaut „u“ geschrieben, gesprochen wie der deutsche Vokal u

ü

1. als Anlaut und als eine Silbe „yu“, als Mittellaut „u“ geschrieben, gesprochen wie in Deutsch ü.

2. als Auslaut nach j, q, x „u“ und nach l, n „ü“ geschrieben

 

Lautveränderungen

Buchstabe

Lautbeschreibung

-ian

wie „iän“

-(y)uan

wie „üän“ in yuan und nach j, q, x, also geschrieben juan, quan, xuan, gesprochen jüän, qüän, xüän

ye, -ie

wie „iä

-i

nach z, c, s und zh, ch, sh wird i nicht ausgesprochen. Stattdessen werden die 6 Konsonanten mit dem angehängten i stimmhaft.

-o

wie der deutsche Vokal „o“, nach b, p, m, f aber wie „uo“, also geschrieben bo, po, mo, fo, gesprochen buo, puo, muo, fuo

-u

nach y, j, q, x wie „ü“ ausgesprochen, aber „u“ geschrieben, da im Chinesischen die Kombinationen von j, q, x und dem Laut „u“ nicht vorhanden, also geschrieben yu, ju, qu, xu, jun, qun, xun, gesprochen yü, jü, qü, xü, jün, qün, xün

 

Abgekürzte Schreibweisen

Buchstabe

Lautbeschreibung

-iu

als Auslaut von „i+ou“ abgekürzt, daher gesprochen wie Jo in Deutsch Joghurt, also geschrieben liu, gesprochen liou

-ui

als Auslaut von „u+ei“ abgekürzt, daher gesprochen wie in Englisch way, also geschrieben hui, gesprochen huei

 

Allgemeine Regeln

1. Jede Lautkombination ist nur eine Silbe lang.

2. Falls der Anlaut des folgenden Wortes ein Vokal ist, wird der Auslaut n im vorhergehenden Wort im normalen Sprechtempo anders ausgesprochen als sonst. Statt an den Zahndamm anzuheben, bleibt hier die Zungenspitze unten hinter den unteren zentralen Schneidezähnen und die Lautbildung geht direkt zum nächsten Wort. So kommt bei z.B. „bián yi便宜, günstig“ den Laut „nyi“ nicht vor.

3. Beim Eingeben Chinesischer Schriftzeichen am Computer wird v für ü eingetippt.

4. Der Buchstabe ü wird nach y, j, q und x „u“ geschrieben, nach anderen Konsolanten aber „ü“. Beispiele: lù, Weg, lǜ綠/绿, grün; nǔ , vorstehen, hervorbringen, nǚ, weiblich

5. In der „Norm für die Rechtschreibung des Pinyin für chinesische Personennamen“ 2011 hat China festgelegt: Wegen speziellen technischen Notwendigkeiten kann der grossgeschriebene Ü in unerlässlichen Situationen (wie Pässe, internationale Dokumente oder Bücher etc.) durch YU ersetzt werden.

6. Zwei- oder Dreisilber als ein Begriff werden zusammengeschrieben, z.B. péngyou 朋友, Freund und duìbuqǐ 對不起/对不起, Entschuldigung. Wenn ein zusammengeschriebener Begriff ohne Bezeichnung von Tönen zum Missverständnis führen könnte, wird das Zeichen ' (ähnlich wie der Apostroph) zwischen Silben eingesetzt. Beispiele: Xi'an 西安, Stadt Xi'an, ohne ' möglich xian , zuerst

 

Töne

Hochchinesisch ist eine Tonsprache. Jede Silbe wird mit einem bestimmten Tonhöhenverlauf gesprochen. Eine Änderung der Tonhöhe in einer Silbe führt auch eine Änderung der Bedeutung herbei. Vier Töne werden unterschieden und wie Ordnungszahlen bezeichnet, nämlich der erste, der zweite, der dritte und der vierte Ton. Ein weiterer Ton ist der sogenannte „leichte“ oder „neutrale“

Ton, der kurz und unbetont gesprochen wird.

 

Tonhöhenverlauf:

1. Der erste Ton wird gleichbleibend hoch und lang gesprochen und durch einen waagerechten Strich über dem Vokal gekennzeichnet. Beispiel: mā 媽/, Mutter

2. Der zweite Ton beginnt etwas tiefer und steigt bis auf die Höhe des ersten Tons an, ähnlich wie die Intonation einer Frage im Deutschen. Markierung dafür ist ein kurzer Strich nach rechts oben über dem Vokal. Beispiel: má, Kribbeln, Taubheitsgefühl

3. Der dritte Ton beginnt noch tiefer als der 2. Ton und steigt leicht nach oben. Gekennzeichnet wird er durch einen Haken über dem Vokal. Beispiel: mǎ馬/, Pferd

4. Der vierte Ton fällt etwa von der Tonhöhe des 1. Tons schnell nach unten und gekennzeichnet durch einen Strich nach rechts unten über dem Vokal. Beispiel: mà罵/骂, schimpfen

5. Der neutrale Ton erhält kein Tonzeichen. Seine Tonhöhe ist tiefer als der 1., 2. und 4., aber höher als der 3. Ton.

 

Tonveränderung:

Folgt auf eine Silbe im 3. Ton eine weitere Silbe im 3. Ton, wird die erste Silbe im 2. Ton ausgesprochen. Kommen mehr als 2 Silben im 3. Ton auf einander vor, werden normalerweise bis auf die letzte Silbe alle im 2. Ton ausgesprochen. Je nach Kontext können gewisse vorhergehende Silben unverändert im 3. Ton und nur die zweitletzte Silbe (v.a. eines Begriffs) im 2. Ton ausgesprochen werden. Unbeachtet der Tonveränderung in der gesprochenen Sprache werden die Originaltöne angegeben.

Beispiele:

1. 好馬 /好, ein gutes Pferd. Geschrieben hǎo mǎ, gesprochen háo mǎ

2. 你打網球/你打网球, Du spielst Tennis. Geschrieben nǐ dǎ wǎngqiú, gesprochen nǐ dá wǎngqiú oder ní dá wǎngqiú

 

Anmerkungen:

1. Wenn es Abweichungen gibt, werden in diesem Artikel zuerst die klassischen dann die vereinfachten Schriftzeichen angegeben.

2. Diese 3 Gleitlaute i, u, ü funktionieren als An-, Mittel- und Auslaute.